Mein kleines "Schreibaby" (Gastbeitrag von Anna - Jungmama von 2 Kids)

02.05.2019


Hallo ihr Lieben!


Ich möchte euch heute meine Geschichte über mich und mein "Schreibaby" erzählen.


Ich denke mir, das ist ein Thema, über welches viele Mamas sich nicht trauen zu sprechen, weil sie Angst haben verurteilt zu werden.


Dafür gibt es absolut keinen Grund!


Jemand, der dies nicht selbst erlebt hat, ein "Schreibaby" zu haben, welches bis zu 3 Stunden am Tag oder mehr durchschreit, wird es nicht nachvollziehen können und darf sich meiner Meinung nach darüber kein Urteil bilden, über eine Mama, die am verzweifeln ist und nicht mehr weiß, was sie tun soll. Die Angst, als Mama versagt zu haben, war manchmal ziemlich groß. Ich war müde, überfordert, gereizt und hatte sogar den Gedanken, "kann ich mein Kind wirklich lieben?"
Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, es ist extrem anstrengend und geht wirklich sehr an die Substanz, wenn man noch dazu ein älteres Kind hat, dass ebenfalls Aufmerksamkeit braucht.


Nun zu meiner Geschichte:
Ich selbst war ein "Schreibaby" und meine Mama hat mir immer wieder davon erzählt, wie anstrengend es für sie war.
Als ich dann selbst schwanger wurde, hatte ich zwei große Sorgen: 1. Hoffentlich kommt mein Kind gesund auf die Welt und 2. bitte lass es kein "Schreibaby" sein. Diese Gedanken schwirrten mir während beider Schwangerschaften im Kopf herum. Bei meinem großen Zwerg war alles ok, er war zwar immer ein wenig unruhig aber nach ca. 2 Monaten war er ein sehr zufriedenes Baby, das ab und zu ein bisschen quängelig war, aber ganz ehrlich das darf ja auch sein.
Mia hingegen war ganz anders.....
Als sie auf die Welt kam und die erste Nacht komplett durch geschlafen hat, habe ich mir nur Gedacht "EEEENNDDLLIICCHH" habe ich Glück und kann sagen: "Mein Kind hat von Anfang an durch geschlafen"! Gefreut habe ich mich, als wäre Geburtstag, Weihnachten und Ostern zusammen. Dieser angenehme Zustand hat sich sehr bald schlagartig geändert, nur wusste ich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht ....


Mia war die ersten 2 Tage ein ruhiges Kind. Sie wurde ca. alle 3 Stunden munter und wollte an die Brust. Sonst hat sie fast nur geschlafen und war ziemlich friedlich. Ich habe ihr voller Stolz beim Schlafen zugesehen und war total verliebt in mein zweites kleines Wunder.


Sie war so süß, klein und schaute ganz zufrieden aus. Ich hätte mir in diesen Momenten nie Gedacht, wie sich dies plötzlich ändern kann und sie mich auf einmal zur Verzweiflung bringt.
In der 3. Nacht ging es dann los.....


Mia fing an ständig zu schreien. Ich dachte mir nichts dabei, bin mit ihr im Zimmer auf und ab gegangen, um sie zu beruhigen. Dies funktionierte nicht. Ich habe Mia meine Brust angeboten, jedoch diese schrie sie nur an. Ich wollte ihr den Schnuller geben, sie spuckte ihn aus. Bis zwei Uhr in der Früh, habe ich alles versucht um Mia zu beruhigen, ich war schon ziemlich am Ende, ich wusste nicht, was ich noch machen sollte.


Ab diesem Zeitpunkt begann mein Leben mit meinem "Schreibaby"...


Am nächsten Tag wurden wir entlassen und fuhren nach Hause. Mein Partner, mein großer Bub Maximilian und ich freuten uns schon sehr auf die Zeit zu viert. Wir malten uns im Kopf schon aus wie schön und harmonisch es sein wird. Tja falsch Gedacht, denn mit einem kleinen Schreihals zu Hause ist leider die Harmonie weg und wir waren alle ziemlich hilflos und litten alle darunter. Die Partnerschaft, mein Sohn der leider dann schon etwas genervt war und zu seiner kleinen Schwester sagte:" Bitte leise Mia!", mein Partner der jeden Tag extrem müde in die Arbeit gefahren ist und ich als Mama, die einfach nicht mehr wusste wo hinten und vorne ist, nur mehr gereizt war und viel geweint habe.
Ihr müsst euch das vorstellen, ich habe mich 9 Monate auf meinen Zwerg gefreut, habe mir Bilder in meinem Kopf ausgemalt, wie schön es nicht sein wird und dann kommt einfach alles anders.


Mia hat fast den ganzen Tag nur geschrien, sie wollte nicht trinken, nicht kuscheln, einfach gar nichts.


Das einzige, was für ein paar Minuten geholfen hat war, Mia zu pucken. Aber wie gesagt, das half nur für ein paar Minuten. Ich war nervlich schon am Ende, ich wollte nicht mehr, ich dachte einfach, das hat alles kein Ende...


Mein schlechtes Gewissen, Maximilian, meinem größeren Sohn gegenüber, plagte mich ziemlich stark. Meine ganze Kraft ging nur für Mia auf. Wir haben wirklich alles probiert, wir waren bei einem Osteopathen und bei der Bioresonanz. Es war danach eine zeitlang besser, aber leider hielt dieser Zustand nicht allzu lange an.
Viele Mütter haben mir immer wieder gesagt: "Warte die ersten 3 Monate ab, es wird dann besser"! Ich habe an das geglaubt und gehofft, dass es nach drei Monaten wirklich vorbei ist.
Aber wieder einmal falsch gedacht. Es hatte einfach kein Ende. Sie schrie und schrie und schrie....


Ich konnte nicht mehr wirklich essen, auf die Toilette gehen, das war eher ein 2 Sekunden Ausflug oder duschen ging nur, wenn mein Partner zuhause war. Meine Nervenhaut war ganz, ganz dünn. Am liebsten hätte ich meine Sachen gepackt und wäre gegangen. Ich habe mein kleines Baby angeschaut und war ziemlich wütend, nicht auf sie aber auf die Situation.


Warum ich? Warum habe ich das verdient? Warum werde ich so bestraft? Ich hielt sie in meinem Arm, als sie geschrien hat, schaute sie an und habe mir nur gedacht, bitte, bitte hör auf zu weinen!!!


Ich habe sie dann manchmal in ihr Bett gelegt, habe kurz den Raum verlassen, zwei mal tief durchgeatmet und bin wieder zu ihr gegangen. Oft hatte ich den Gedanken (wenn sie wie am Spieß geschrien hat), kann ich dieses Kind lieben, will ich das alles so?
Aber ja natürlich, ich liebe mein Kind wie es ist, ich jedoch, war maßlos überfordert.
Als ich dann überhaupt nicht mehr weiter wusste und am Boden zerstört war, wendete sich aber alles zum Guten.
Mit ca. 4 Monaten wurde Mia viel ruhiger. Wie aus dem nichts, fing sie an zu lachen, schaute mich an, ohne zu weinen, ich konnte mit ihr kuscheln, mit ihr spielen und wir begannen die Zeit zu viert endlich zu genießen!


Ich werde diese besonderen Tage der Veränderung nie vergessen!


Es war wirklich einer der schönsten Momente für mich. Klar weint sie jetzt noch ab und zu und klar bin ich auch jetzt noch manchmal überfordert, aber es ist bei weitem nicht mehr so schlimm, wie es war. Ich habe in diesen 4 Monaten auch viel dazu gelernt. 

Und bitte liebe Mamas, es ist ok zu sagen, ja ich bin überfordert und ja es ist anstrengend, ich brauche bitte Hilfe und ganz wichtig, findet auch Zeit, nur für euch, für euren Partner und eventuell für eure anderen Kinder!
Ich hoffe ich kann mit meinem Beitrag ein paar Mamis etwas vermitteln, dass es absolut keine Schande ist, zu sagen: "Ich kann nicht mehr und ich möchte unbedingt auch einmal Zeit nur für mich haben!" Das ist sehr, sehr wichtig, um wieder Kraft für das Kommende zu haben!!!


Eure M&M Mama


Fotos: privat, Fotografin Sandra Winter


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